Kurt Hoffmann-Retrospektive

 

Kaum ein anderer deutscher Regisseur beherrschte die deutsche Komödien-und Familienfilm-Tradition so perfekt wie Kurt Hoffmann. Die Titel seiner Filme lesen sich wie eine Erfolgsgeschichte des deutschen Films: „Ich denke oft an Piroschka", „Wir Wunderkinder", „Das fliegende Klassenzimmer", „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" und viele mehr... Mit Heinz Rühmann drehte er sieben Filme, darunter den Publikumsliebling „Quax der Bruchpilot". In den 50ern entdeckte er Liselotte Pulver und machte sie zum Topstar. Seine besten Filme zeichnen sich durch Witz, bestes handwerkliches Können und jene sprichwörtliche Leichtigkeit aus. Wir zeigen mit einer tiefen Verbeugung vor ihm und seiner in Starnberg lebenden Witwe bis Ende Juli jeweils in der Sonntagsmatinee sechs seiner bekanntesten Filme:

 

 

Starnberg 18.5.:

Das fliegende Klassenzimmer
Deutschland 1954

Nach einem Roman von Erich Kästner
Länge: 92 min
FSK: ab 6
Erstaufführung: 3.9.1954

Eine Gymnasialklasse hat neben ihrer Privatfehde mit gleichaltrigen Realschülern auch vernünftige Ideen: Sie erneuert den Kontakt zwischen dem bewunderten Klassenlehrer und dessen Jugendfreund, einem durch Schicksalsschläge zum verbitterten Einzelgänger gewordenen Arzt. Vergnügliche und warmherzige Verfilmung des Kinderromans von Erich Kästner mit unaufdringlicher Pädagogik.



 

Seefeld 29.5.
Starnberg 1.6.
Herrsching 4.6.:

Ich denk so gern an Piroschka
Deutschland 1955



Nach dem gleichnamigen Roman und Hörspiel von Hugo Hartung
Länge: 96 min
FSK: ab 6
Erstaufführung: 29.12.1955

Ein deutscher Austauschstudent verliebt sich in Ungarn in die Tochter eines dörflichen Bahnhofvorstehers und findet auf einigen Umwegen sein Lebensglück. Mit der Verfilmung der zwar etwas weltfremden, aber zu Herzen gehenden und stellenweise sehr komischen Liebesgeschichte gelang ein Lustspielklassiker des Nachkriegskinos.



6.7.:

Wir Wunderkinder
Deutschland 1958



Schon zur Kaiserzeit erweist sich der Junge Bruno Tiches als anpassungsfähig. Während sein Klassenkamerad Hans Boeckel dabei erwischt wird, als er heimlich in den Festballon zur Jahrhundertfeier zur Völkerschlacht bei Leipzig steigt, und auch seiner Strafe nicht entkommt, gelingt es Bruno heimlich mitzufliegen. Nach der Rückkehr kann er stolz von seinen vermeintlichen Heldentaten und ebensolcher Begegnung mit dem Kaiser berichten. Auch in den 20er Jahren hat Bruno ein glückliches Händchen. Kann er doch als Lehrling beim Bankhaus Stein & Co. zusammen mit einer gewissen Frau Meisegeier einige geschickte Aktiengeschäfte tätigen, während Hans als Student in München auf das Verkaufen diverser Zeitungen angewiesen ist. 1933 lernt Hans die Dänin Kirsten kennen, während Bruno Tiches seine politischen Karriere verfolgt. Diesmal schwört er seine Treue einem gewissen Führer und nebenbei auch Evelyne Meisegeier. Letztere nimmt er angesichts der Geschwister Evelynes nicht so ernst. Nachdem Hans Boeckel bei der Zeitung gekündigt wurde und er in Dänemark geheiratet hat, machen es Tiches und die Meisegeiers sich im ehemaligen Haus des jüdischen Bankdirektors Stein gemütlich. Nach dem Krieg scheint vieles verändert, als sich Tiches aber mit diversen Schwarzmarktgeschäften schon wieder empor arbeitet. Hans Boeckel ist hingegen mit einem Handwagen unterwegs, um seine Familie zu ernähren. Wenige Jahre später fährt Tiches schon einen Mercedes 300 und gilt als einer der Erfinder des Wirtschaftswunders. Weniger Ehre kommt ihm aber zuteil, als Hans Boeckel einen Zeitungsbericht über den einflussreichen Tiches schreibt. Dieser ist erbost über den zynischen Bericht und sucht Boeckel in der Redaktion auf. Nachdem sich dieser nicht einschüchtern lässt, reißt Tiches wütend die Tür zum Fahrstuhl auf. Damit geht es zum ersten und letzten Mal bergab mit Tiches...
(Jan-Eric Loebe)



22.6.:

Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Deutschland 1957



Mit Horst Buchholz; 102 min.

Der junge Mann Felix Krull wird vom Militär, nicht ganz ohne Hilfe seiner schauspielerischen Fähigkeiten, für untauglich erklärt. Seiner Hotelkarriere in Paris steht seiner Tauglichkeit für heiteren Lebensgenuss nun nichts mehr im Wege. Dabei will er sich weder von der amerikanischen Millionärstochter, die ihm ein Kind schenken will, binden lassen, noch von dem einsamen Lord Kilmarnock auf seinen schottischen Schlösser. Er leistet sich stattdessen gern ein Abenteuer hier und ein anderes da, bis in Lissabon all seine kleinen Betrügereien aufzufliegen drohen. Krull wird verhaftet, aber wie immer gibt es eine Frau, die ihm helfen wird.





Weitere Termine:

20.7.: Das schöne Abenteuer (1959)

Mit Lilo Pulver, Oliver Grimm, Robert Graf, 97 min, ab 6 J., Die englische Lehrerin Dorothee Durand, an der das Leben bisher vorüberzog, wird durch ein Fotoalbum ihrer verstorbenen Tante Kate daran erinnert, dass sie noch Verwandte in Frankreich hat. Kurzerhand reist sie über den Kanal nach Frankreich, um nach ihren Vorfahren zu forschen. Sie landet ihm Hotel "L'Empereur", das sie von alten Fotos kennt. Dort wird die Fremde schnell zum Mittelpunkt der Gesellschaft und lernt den sympathischen Marius Bridot kennen. Niemand kann ihr aber auf der Ahnensuche weiterhelfen, bis sie schließlich eine Spur findet, die sie in das kleine Bergdorf St. Fiacre führt. Mit Hilfe der örtlichen Fußballmannschaft gelingt es ihr, ihre zwei Cousinen Francoise und Cathérine ausfindig zu machen. Dort verlebt Dorothee eine angenehme Zeit, die aus der unattraktiven Lehrerin eine hübsche, junge Dame machen. Da erhält sie Post von Marius Bridot, der sie unter dem Vorwand ihre Koffer nachzubingen, wiedersehen will...
(Jan-Eric Loebe)

27.7.: Das Haus in der Karpfengasse (1963)

Das Prager Judenviertel während des Einmarsches deutscher Truppen im Jahre 1939:
In der Karpfengasse 115 lebt die Witwe Kauders. Vor dreißig Jahren hat sie ihren Sohn wegen eines Missverständnisses verstoßen. Nun will er sie zu sich nach Brasilien holen. Vor der geplanten Abreise ist die aber hilflos den Schikanen der deutschen Behörden ausgesetzt. Als ihr der bereits erteilte Ausweis wieder abgenommen wird, kommt es zu einem Drama...
Die Inhaber der Papierhandlung Lederer & Laufer sind auch privat eng befreundet. Als die deutschen Besatzer sie in den Ruin treiben, gelingt dem Ehepaar Laufer die Emigration. Lederer fasst hingegen einen dramatischen Entschluss...
Der deutschstämmige Hauswart leidet nicht unter den neuen Verhältnissen, bis sein Sohn Leopold in einem kommunistischen Lokal verhaftet und verprügelt wird. Bald taucht auf eine jüdische Kommunistin auf, die von Glaser ein Kind hat. Sie erpresst ihn, um fliehen zu können...
Die Portierstochter Bozena und ihr Freund Schramek gehören einer Widerstandstruppe an. Aber Hauswart Glaser hat beide denunziert...
(Jan-Eric Loebe)