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Federico Fellini
Der Meister des italienischen Kinos ist auch zehn Jahre nach seinem Tod unvergessen.
Vor 10 Jahren starb Federico Fellini, einer der größten Regisseure der Filmgeschichte, im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines Herzanfalls. Wie kein anderer verstand er es, seine ganz persönlichen Träume und Visionen auf die Leinwand zu bringen und dennoch ein Millionenpublikum zu erreichen. Seine Filme gehören zu den bleibenden Kunstwerken dieses Jahrhunderts.
Federico Fellini wurde am 20. Januar 1920 im italienischen Rimini geboren. Mit 10 Jahren lief er von zu Hause weg und schloss sich für kurze Zeit einem Zirkus an. Wahrend des Krieges reiste er mit einer Wandertruppe von Komödianten durch ganz Italien. 1939 ließ er sich in Rom nieder und arbeitete als Zeichner und Übersetzer von Comics für die humoristische Wochenzeitschrift "Marc' Aurelio", verfasste Hörspiele und entwickelte Gags für den Komiker Macario. Bei seiner Rundfunkarbeit lernte er Giulietta Masina kennen ,die er 1943 heiratete. Sie blieb bis zu seinem Tod an seiner Seite. Am 23. März 1994 - fünf Monate nach Fellini -starb sie kurz nach ihrem 74. Geburtstag.
Geburtsdatum: 20.01.1920
Filmografie (Auswahl) :
1990 Die Stimme des Mondes (Buch, Regie)
1985 Ginger und Fred (Buch, Regie)
1980 Die Stadt der Frauen (Buch, Regie)
1971 Fellinis Roma (Buch, Regie)
1969 Fellinis Satyricon (Buch, Regie)
1963 Achteinhalb (Buch, regie, Prod.)
1960 Das süße Leben (Buch Regie)
1957 Die Nächte der Cabiria (Buch, Regie)
1955 Il bidone (Buch, Regie)
1954 La strada (Buch, Regie)
1953 Die Müßiggänger (Buch, Regie)
1950 Lichter des Varieté (Buch, Regie, Prod.)
1950 Bittere Liebe (Buch, Regie)
1948 Amore (Darsteller)
1945 Rom, offene Stadt (Buch)
Gestorben: 31.10.1993
1944 engagierte ihn Roberto Rossellini als Assistenten für "Rom - offene Stadt". Ab 1946 arbeitete er als Drehbuchautor oder Regieassistent für Rossellini, Alberto Lattuada oder Pietro Germi. 1950 realisierte Fellini gemeinsam mit Lattuada seinen ersten Spielfilm "Lichter des Variete", 1952 folgte mit "Der weiße Scheich" seine erste Alleinregie. Bis zu seinem Tod am 31. Oktober 1993 inszenierte er in seiner 40 Jahre dauernden Regie-Karriere zwanzig Spielfilme - darunter neben "Ginger und Fred", "Die Nächte der Cabiria", "La Strada", "Das süße Leben", "Achteinhalb", "Fellinis Roma", "Fellinis Casanova" und zuletzt 1990 "Die Stimme des Mondes" - Kinohöhepunkte, die Geschichte schrieben und ihren Regisseur unsterblich machen.
Die Liste der Preise, die Federico Fellini im Lauf seiner unglaublichen Karriere einheimste, ist endlos. Dass er ein Italiener 12 Oscar-Nominierungen, als Regisseur und/ oder Autor auf sich vereinigen konnte, ist sensationell, doch noch erstaunlicher ist, dass der Jury immer der Mut zum letzten Schritt fehlte. Es blieb bei den Nominierungen, dafür wurde Fellini 1993 immerhin mit dem Ehren-Oscar ausgezeichnet. Hinzu kommen zwei "Ausland"-Oscars für "La Strada" und
"Achteinhalb".
I vitelloni
La strada
(La strada)
Spielfilm, Italien 1954, 101 Minuten
Regie: Federico Fellini
Mit Giulietta Masina, Anthony Quinn, Richard Basehart, Aldo Silvani, Marcella Rovere, Livia Venturini
. Der Gaukler Zampano führt ein armseliges Wanderleben. Eines Tages kauft er für 10.000 Lire die einfältige Gelsomina ihrer eigenen Mutter ab. Gelsomina muss nun für ihn kochen und waschen und den Pausen-Clown spielen, wenn er in Dörfern und Kleinstädten als Kettensprenger auftritt. Gelsominas schüchterne Versuche, ihm menschlich näher zu kommen, sind vergeblich. In einem kleinen Zirkus begegnen die beiden dem Seiltänzer Il Matto, der auf Gelsomina einzugehen weiß. Als Zampano den ihm verhassten Artisten bei einer Schlägerei tötet, bekommt Gelsomina einen Schock. Ihr ständiges wehklagendes Geschrei ist Zampano nun lästig, so dass er sie bald sitzen lässt. Als er später von ihrem Tod erfährt, spürt er jedoch zum ersten Mal das Gefühl absoluter Einsamkeit.
Federico Fellini beschäftigte sich jahrelang mit der Idee zu diesem Film um eine Frau und einen Mann, die gegensätzlicher nicht sein konnten, ehe er schließlich Produzenten für sein Projekt fand. Bei allem Realismus der Milieuschilderung, gelang es Fellini, die Geschichte des verhärteten, menschlich verkümmerten Zampano und der naiv-gutmütigen Gelsomina zum Gleichnis für menschliche Not und Größe werden zu lassen. Mit "La Strada", der sich durchaus auch einer spirituellen Deutung öffnet, ging Fellini erstmals über das Terrain des Neorealismus und seiner Sozialkritik hinaus, auch wenn der Film sich unbedingt auf die Seite der Schwachen und Unterdrückten stellt. Dennoch wurde Fellini von einigen Kritikern die Abkehr vom reinen Neorealismus als Verrat vorgeworfen. An der Seite von Anthony Quinn spielte Fellinis Frau Giulietta Masina als Gelsomina die Rolle ihres Lebens. "La Strada" wurde ein Welterfolg und mit Preisen, unter anderem einem Oscar für den besten fremdsprachigen Film, überschüttet.
Achteinhalb - Otto e mezzo
It/F 1962, s/w, 138 Min., DF
Regie: Federico Fellini
Buch: Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli, Brunello Rondi
Kamera: Gianni di Venanzo
Musik: Nino Rota
Schnitt: Leo Catozzo
Mit: Marcello Mastroianni, Claudia Cardinale, Anouk Aimée, Sandra Milo
Ein Filmregisseur gerät in eine berufliche und private Krise. Mit rastloser Unruhe versucht er sich erfolglos an verschiedenen Projekten. Er erinnert sich seiner verdrängten Komplexe und verlorenen Kindheitsträume, reflektiert über die Absurditäten seiner Branche, sein Verhältnis zur Kunst und zum weiblichen Geschlecht, schließlich grundsätzlich über den Sinn des Lebens. In seinem ebenso amüsanten wie vielschichtigen Selbstporträt geht Fellini schonungslos mit seinesgleichen und dem Kino ins Gericht; ein Dokument der Ratlosigkeit, zugleich aber auch ein Stück filmischer Selbsttherapie. Ein klug durchdachter "Film im Film", der in die Vision einer solidarischen, erlösten Welt mündet.
Lexikon des Internationalen Films (CD-ROM)
La dolce vita
Das süße Leben
Federico Fellinis berühmtes römisches Gesellschaftsporträt mit Marcello Mastroianni und Anita Ekberg.
Der junge Marcello, aus der Provinz einst mit schriftstellerischen Ambitionen nach Rom gekommen, führt das hektische Leben eines Skandaljournalisten. Eifersüchtig verfolgt von seiner Freundin Emma, nimmt er mit, was sich ihm dabei an sexuellen Abenteuern bietet. Für Maddalena, die Tochter eines Millionärs, ist er nur einer von vielen Männern, die sie verführt; Sylvia, einem vitalen Filmstar aus Hollywood, folgt er fasziniert bei den nächtlichen Eskapaden der Blondine bis in den Trevi-Brunnen. Er wird Zeuge wundergläubigen Massenwahns, als zwei Kinder am Stadtrand die Madonna gesehen haben wollen; er zeigt seinem Vater, der noch etwas erleben möchte, das römische Nachtleben. Ein Schock erwartet Marcello, als sein anscheinend so selbstsicherer älterer Freund Steiner seine Kinder und sich selbst umbringt. Nach einer ausschweifenden Party steht er mit einer verkaterten Gesellschaft frühmorgens am Meer. Ein junges Mädchen, das nicht zu dieser Welt aus Gier und Glamour gehört, gibt ihm aus einiger Entfernung rufend Zeichen, aber Marcello versteht nichts, die Brandung übertönt alles.
Info
Originaltitel:
La dolce vita
(I, F, 1959)
Regie:
Federico Fellini
Darsteller:
Marcello Mastroianni
Anita Ekberg
Anouk Aimée
Länge:
167 Min.
"Das süße Leben", das ist das Leben der High Society, der Reichen und Prominenten, so wie es der Klatschjournalist Marcello auf der Jagd nach aufregenden "news" für sein sensationsgieriges Publikum miterlebt. Aus der Perspektive des kühlen Beobachters, so sieht sich Marcello jedenfalls selbst, entsteht das filmische Porträt einer Gesellschaft, die ihre innere Leere in hektischen Vergnügungen zu vergessen sucht, die den öffentlichen Skandal als zusätzlichen Reiz betrachtet, Sensation mit Emotion verwechselt. 'Den "Führer" durch diese exotische Welt spielt Marcello. Er ist der rote Faden durch diesen Film, der sich aus scheinbar zufällig aufeinanderfolgenden Episoden mosaikartig zusammensetzt. Ein paar Tage, ein paar Begebenheiten aus dem Leben des Klatschjournalisten Marcello und seiner Klientel - der Prominenz - offenbaren, dass sein so "interessantes", "süßes Leben" nur die Fassade vor einer irreparablen seelischen Verarmung und Unfähigkeit zu echtem menschlichen Kontakt sind.
Die Uraufführung wurde zur Sensation des Jahres. Die Zeitungen stürzten sich gierig auf die skandalträchtigen Quasi-Enthüllungen über die römische Prominenz und ihr orgiastisches Treiben. Der Film fand seine Fortsetzung in der Realität. Die "Marcellos" der internationalen Presse fütterten ihre Kunden mit Enthüllungen über die Enthüllungen, mit Spekulationen über die Figuren hinter den Figuren. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Film selbst wurde darüber weitgehend vergessen. Darauf weist Enno Patalas in seinem in der "Filmkritik" erschienenen Aufsatz ausdrücklich hin. Für ihn steht "Das süße Leben" ganz im Zusammenhang mit den früheren Arbeiten Fellinis, "in deren Nachfolge er deutlich steht und von denen er sich doch in bezeichnender Weise unterscheidet... Diesmal sind es die Privilegierten und Mächtigen, die 'Ungeheuer', denen 'ins Gesicht zu sehen, einem nach dem anderen' der Regisseur nach seiner eigenen Äußerung ausgezogen ist..."
AMARCORD
Italien / Frankreich 1973. Regie: Federico Fellini. Drehbuch: Federico Fellini, Tonino Guerra. Kamera: Giuseppe Rotunno. Darsteller: Magali Noël, Bruno Zanin, Armando Brancia, Pupella Maggio, Giuseppe Ianigro u.a. Länge: 127 min, Farbe.
Die bildgewaltige Familiengeschichte AMARCORD gehört zu den erfolgreichsten Filmen des italienischen Meisterregisseurs Federico Fellini. Zwar bestritt der Regisseur jeden autobiografischen Einfluss, doch der Titel seines Films lässt keinen Zweifel am persönlichen Bezug: „Amarcord“ bedeutet im Dialekt der Emilia Romagna: „Ich erinnere mich". Aus der Perspektive eines neugierig-staunenden 16jährigen Jungen präsentiert der Film ein Panoptikum skurriler Charaktere, ein Kaleidoskop ebenso amüsanter wie erschreckender Momentaufnahmen eines Italiens zur Zeit des Faschismus. Aus den zahlreichen Episoden entwickelt Fellini das Stimmungs- und Sittenbild einer Epoche.
Inhalt: Italien, 30er Jahre: Der 16-jährige Titta lebt mit seiner Familie in einer kleinen Küstenstadt an der Adria. Doch der neugierige aufgeweckte Junge ist nur eine Figur unter vielen, denen der episodenhaft erzählte Film durch ein Italien folgt, das sich unter dem Faschismus immer stärker zu verändern droht. Da wäre zum Beispiel Tittas Onkel Teo, der in einer Heilanstalt lebt und einen Familienausflug nutzt, um seinen Zorn auf die Welt hinauszuschreien; schließlich klettert er auf einen Baum, den er nur unter einer Bedingung wieder verlassen will: „Ich will eine Frau!". Tittas Opa hingegen hat nichts anderes im Kopf, als dem Dienstmädchen nachzustellen. Und wenn er nicht gerade weinselige Lebensregeln zum Besten gibt, erzählt er skurrile Geschichten über Tittas Kinderstreiche. Dann wäre da noch der ebenso eitle wie faule Onkel Pataca, der allem Anschein nach bereit war, Tittas Vater an die Faschisten zu verraten. Denn Tittas Vater ist ein verhinderter Sozialist – das heißt: ein Anarchist. Zu Hause pflegt der Mann allerdings ein eisernes Regime, frei nach dem Motto „Ein Vater ist besser als hundert Kinder. Hundert Kinder machen keinen Vater wett. Das ist die Wahrheit. Jedes Land hat seinen Brauch, jeder Nabel seinen Bauch!"
LA CITTA DELLE DONNE
Regie: Federico Fellini - Buch: Federico Fellini und Bernadino Zapponi - Kamera: Giuseppe Rotunno - Musik: Luis Enriquez Bacalov - Darsteller: Marcello Mastroianni, Ettore Manni, Bernice Stegers, Anna Prucnal, Iole Silvani, Donatella Famiani, Fiametta Baralla u.a. - 1979; 133 Minuten
Inhalt:
Als der Don Juan Snaporaz (Marcello Mastroianni) wieder einmal einer Schönen folgt, verirrt er sich in eine Stadt der Frauen, wo gerade ein feministischer Kongress tagt. Snaporaz erlebt sich plötzlich in der Rolle des Objekts und wird von den Frauen gejagt und bedroht.
Auch diesen grotesken, originellen Albtraum über den Geschlechterkampf inszeniert Federico Fellini wie alle seine Filme mit viel Fantasie und Lust zum Fabulieren. Und für die Hauptrolle wäre niemand besser geeignet als Marcello Mastroianni. |